Wann sollten Sie den Steuerberater wechseln?
Ein häufiger Fehler ist ein Wechsel zum falschen Zeitpunkt. Wenn Sie sich entschieden haben, den Steuerberater zu wechseln, sollten Sie dies möglichst nicht während eines laufenden Verfahrens tun.
Praktisch bedeutet das:
- Lassen Sie den Jahresabschluss fertigstellen.
- Warten Sie die Steuerbescheide ab und lassen Sie diese im Zweifel noch prüfen.
- Vereinbaren Sie einen klaren Übergang, zum Beispiel zum 1. Januar oder 1. Juli.
Der Hintergrund ist einfach: Ein neuer Berater muss sich sonst erst mühsam in unvollständige Sachverhalte einarbeiten. Das kostet Zeit und verursacht zusätzliche Kosten.
Besonders ungünstig ist ein Wechsel während:
- einer Betriebsprüfung
- eines Einspruchsverfahrens
- laufender Fristen gegenüber dem Finanzamt
In solchen Fällen ist es oft sinnvoller, zunächst einen sauberen Abschluss zu erreichen – und erst dann zu wechseln.
Warum möchten Sie den Steuerberater wechseln?
Bevor Sie handeln, sollten Sie sich eine ehrliche Frage stellen: Was genau stört Sie?
Nicht jeder Grund trägt einen Wechsel. Unzufriedenheit mit der Steuerlast gehört beispielsweise nicht dazu – ein anderer Steuerberater wird daran in der Regel nichts ändern.
Sinnvolle Gründe können hingegen sein:
- fehlende Erreichbarkeit
- lange Bearbeitungszeiten
- fehlende Spezialisierung für Ihr Geschäft
- Kommunikationsprobleme
Überlegen Sie außerdem, was Ihr neuer Steuerberater künftig besser oder anders machen soll. Diese Klarheit hilft Ihnen nicht nur bei der Entscheidung, sondern auch dabei, einen Steuerberater zu finden, der besser zu Ihren Anforderungen passt.
Denken Sie auch daran: Der neue Steuerberater wird häufig nach dem Grund Ihres Wechsels fragen. Wer dabei ausschließlich negativ über den bisherigen Berater spricht – etwa, dass dieser nie erreichbar, zu langsam oder zu teuer gewesen sei –, riskiert im schlimmsten Fall, dass der neue Steuerberater das Mandat gar nicht übernehmen möchte.
So gehen Sie beim Wechsel richtig vor
Der wichtigste Grundsatz lautet: Erst einen neuen Steuerberater finden, dann kündigen.
In der Praxis scheitert ein Wechsel häufig an fehlenden Kapazitäten. Gute Steuerberater sind oft schon ausgelastet. Wenn Sie erst kündigen und danach suchen, kann das schnell zu Problemen führen.
Gehen Sie daher strukturiert vor:
- Suchen Sie frühzeitig einen neuen Steuerberater.
- Klären Sie, ob und wann er Ihr Mandat übernehmen kann.
- Kündigen Sie erst danach das bestehende Mandat.
Die Kündigung sollte idealerweise schriftlich erfolgen – insbesondere dann, wenn Sie mit Schwierigkeiten rechnen. Ein Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen Ihres bisherigen Steuerberaters kann ebenfalls sinnvoll sein.
Treffen Sie die Entscheidung zum Wechsel außerdem nicht aus einem Wutanfall heraus. Überlegen Sie zunächst in Ruhe, warum Sie wechseln möchten, und planen Sie den Wechsel sorgfältig.
Was passiert mit Ihren Unterlagen und Daten?
Eine der häufigsten Fragen beim Steuerberaterwechsel betrifft die Unterlagen. Grundsätzlich gilt: Sie haben Anspruch auf Ihre Unterlagen und Daten.
In der Praxis geht es heute meist weniger um Papier, sondern um digitale Daten. Wenn beide Steuerberater mit DATEV arbeiten, ist die Übergabe in der Regel unkompliziert:
- Der neue Steuerberater teilt dem bisherigen Steuerberater seine Beraternummer mit.
- Der bisherige Steuerberater gibt anschließend die Daten für den neuen Berater frei.
Ein wichtiger Punkt dabei: Der bisherige Steuerberater kann sich auf ein Zurückbehaltungsrecht berufen, wenn noch offene Honorare bestehen.
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Typische Fehler beim Wechsel vermeiden
Viele Probleme beim Steuerberaterwechsel entstehen nicht durch den Wechsel selbst, sondern durch eine unüberlegte Vorgehensweise.
Typische Fehler sind:
- Kündigung „im Affekt“ ohne neuen Berater
- Wechsel mitten in wichtigen Verfahren
- Offene Honorare
- fehlende Planung des Übergangszeitpunkts
Besonders kritisch wird es, wenn bereits Rückstände bestehen oder steuerliche Probleme eskalieren. Wer erst dann handelt, setzt sich unnötig unter Druck – und findet oft schwer einen neuen Berater.
Praktische Checkliste für Ihren Steuerberaterwechsel
Damit der Wechsel reibungslos gelingt, können Sie sich an folgenden Punkten orientieren:
- Warum möchten Sie wechseln?
- Was soll der neue Steuerberater besser machen?
- Haben Sie bereits einen neuen Berater gefunden?
- Ist der richtige Zeitpunkt gewählt?
- Wurde das Mandat sauber gekündigt?
- Sind alle Unterlagen und Daten angefordert?
- Gibt es offene Honorare?
Gerade für Selbstständige und Unternehmer lohnt sich eine strukturierte Planung, da hier deutlich mehr „dranhängt“ als bei einer einfachen Einkommensteuererklärung.
Wenn es zu Problemen kommt
Nicht jeder Wechsel verläuft reibungslos. Streit über Honorare, verzögerte Datenherausgabe oder Konflikte mit dem Finanzamt können den Prozess erschweren.
In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, rechtlichen Rat einzuholen. Ein Anwalt für Steuerrecht in Hamburg unterstützt Sie etwa bei Auseinandersetzungen rund um Steuerbescheide, Betriebsprüfungen oder bei Konflikten im Zusammenhang mit dem Steuerberaterwechsel.
Fazit: Mit Planung gelingt der Wechsel problemlos
Den Steuerberater zu wechseln ist kein ungewöhnlicher Schritt – aber einer, der gut vorbereitet sein sollte. Wenn Sie den richtigen Zeitpunkt wählen, einen neuen Berater frühzeitig einbinden und Ihre Unterlagen sauber übergeben werden, verläuft der Wechsel in der Regel unkompliziert.
Wer hingegen spontan und ohne Plan handelt, riskiert unnötige Verzögerungen und zusätzliche Kosten. Eine klare Strategie ist daher der entscheidende Erfolgsfaktor.

