Wenn aus einer Nachzahlung eine Dauerbelastung wird
Immer wieder berichten Steuerpflichtige überrascht davon, dass das Finanzamt die Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer massiv angehoben hat – und das ohne vorherige Ankündigung. Für viele Unternehmer kann das schnell zum echten Problem werden, vor allem wenn gleichzeitig eine Nachzahlung für das vergangene Jahr fällig wird.
Häufig ist es genau dieser Dreiklang: eine hohe Nachzahlung für ein besonders erfolgreiches Jahr, zusätzlich erhöhte Vorauszahlungen für das vorige Jahr – und als Krönung noch höhere Vorauszahlungen für das laufende Jahr. Wer darauf nicht vorbereitet ist, steht schnell vor einer ernsthaften Belastung der Liquidität.
Die Rolle des Abgabezeitpunkts
Wer seine Steuererklärung frühzeitig abgibt, kennt dieses Problem in der Regel nicht.
Ganz anders sieht es bei Unternehmern, Selbstständigen und Freiberuflern aus, die die Fristen für die Abgabe ihrer Erklärung – sei es aus organisatorischen Gründen oder aufgrund von Überlastung im Steuerbüro – bis zum letzten Moment ausreizen. Wer etwa die Erklärung für das Jahr 2023 erst Mitte 2025 einreicht, liefert dem Finanzamt ein längst vergangenes, aber wirtschaftlich vielleicht starkes Jahr als Entscheidungsgrundlage. Weil zu diesem Zeitpunkt noch keine Daten für 2024 und 2025 vorliegen, werden diese schlicht aus 2023 abgeleitet. Das ist aus Sicht der Behörde nachvollziehbar – kann aber für die Betroffenen sehr schmerzhaft sein.
Wie Sie reagieren können, wenn Vorauszahlungen angepasst wurden
Wenn die Vorauszahlungen plötzlich deutlich höher angesetzt wurden, obwohl Ihre aktuelle wirtschaftliche Lage das nicht hergibt, sollten Sie aktiv werden. Der erste Schritt besteht darin, beim Finanzamt einen Antrag auf Herabsetzung der Vorauszahlungen zu stellen. Dabei genügt es jedoch nicht, pauschal auf finanzielle Engpässe oder die eigene Überraschung zu verweisen.
Das Finanzamt benötigt eine nachvollziehbare und sachlich begründete Einschätzung der voraussichtlichen Einkommensentwicklung.
Hilfreich ist es, die aktuelle Geschäftsentwicklung mit konkreten Zahlen zu unterlegen, etwa durch betriebswirtschaftliche Auswertungen. Es sollte klar dargelegt werden, dass das vergangene Jahr ein Ausnahmefall war – etwa aufgrund eines besonders großen Auftrags, Projektabschlusses oder anderer einmaliger Effekte. In vielen Fällen zeigt sich das Finanzamt dann durchaus gesprächsbereit und reduziert die Vorauszahlungen auf ein realistischeres Niveau.
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Steuerlich gestalten mit dem Investitionsabzugsbetrag
Ein weiteres Mittel zur Reduzierung der Steuerlast kann der sogenannte Investitionsabzugsbetrag (IAB) sein. Wer plant, in naher Zukunft größere Investitionen im Unternehmen zu tätigen, kann diesen Betrag bereits vorab steuerlich geltend machen. Dadurch sinkt das zu versteuernde Einkommen im aktuellen Jahr, was wiederum zu einer Herabsetzung der Vorauszahlungen führen kann.
Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass der IAB nicht zu einer echten Steuerersparnis führt, sondern nur zur zeitlichen Verschiebung.
Frühzeitige Abgabe als beste Prävention
Letztlich lässt sich feststellen: Das Hauptproblem entsteht oft gar nicht durch die wirtschaftliche Entwicklung selbst, sondern durch die verspätete steuerliche Abbildung. Wer seine Steuererklärungen frühzeitig abgibt, hat nicht nur eine bessere Kontrolle über etwaige Nachzahlungen, sondern verhindert auch, dass das Finanzamt sich auf überholte Zahlen stützt, um künftige Jahre zu schätzen.
Das bewusste Hinauszögern einer als unangenehm erwarteten Erklärung – in der Hoffnung, Zeit zu gewinnen oder Liquidität zu schonen – ist in der Praxis selten hilfreich. Im Gegenteil: Dadurch entsteht häufig eine Situation, in der die steuerliche Belastung nicht nur nachträglich auf das Vorjahr zurückwirkt, sondern auch die laufenden und zukünftigen Jahre unnötig belastet. Statt ein Problem zu verschieben, wird es auf diese Weise oft vervielfacht.
Fazit: Besser frühzeitig handeln als später kämpfen
Wenn das Finanzamt Vorauszahlungen stark erhöht, ist das für viele Unternehmer ein Schockmoment. Doch mit einem klaren Blick auf die Ursache – meist eine späte Abgabe eines wirtschaftlich starken Jahres – lassen sich diese Situationen gut einordnen. Wichtig ist, schnell zu reagieren, das Gespräch mit dem Finanzamt zu suchen und fundierte Argumente vorzulegen. Noch besser ist es, solchen Szenarien durch vorausschauende Planung und frühzeitige Abgabe der Steuererklärung ganz aus dem Weg zu gehen.
Wer seine Zahlen kennt, steuerlich aktiv plant und bei Bedarf rechtzeitig professionelle Hilfe in Anspruch nimmt, bleibt handlungsfähig – und sorgt dafür, dass aus einem guten Jahr nicht unbeabsichtigt eine unschöne Überraschung wird.
Wenn Sie Unterstützung dabei benötigen, stehe ich Ihnen mit praxisnaher Beratung gerne zur Seite.

